3D Audio im Planetarium Jena
Ein Kuppelsystem für Stereo, Ambisonics und Object-Audio auf HOLOPLOT. Bedient über eine maßgeschneiderte iPad-Oberfläche.
Das Planetarium Jena spielt täglich unterschiedlichste Programme — klassische Sternenshows, Vorträge, Live-Musik, Multimedia-Konzerte. Jedes Format bringt einen eigenen Sound mit: mal klassisches Stereo, mal Dolby Atmos, mal ein natives immersives Objekt-Mix. Unsere Aufgabe: ein Konzept entwickeln, das mit all diesen Formaten umgehen kann — und im täglichen Betrieb einfach zu bedienen bleibt.
👁 Im MDR-Beitrag: Der Umbau vor der Kamera — Video bei MDR ansehen ↗
Die Herausforderung: viele Formate, ein Zielsystem
Immersive Audio ist heute nicht mehr ein Format, sondern ein Feld. Neben Stereo oder 5.1 landen im Planetarium Ambisonics-Aufnahmen, kanalbasierte Surround-Mixe, Dolby-Atmos-Bettungen und szenenbasierte Object-Audio-Produktionen. All das soll ohne Umbau auf demselben Lautsprechersystem — dem HOLOPLOT-Matrix-Array — laufen und dabei jeweils sein Potenzial entfalten.
Unabhängige Beratung: Recherchieren, Hören, Entscheiden
Bevor eine Systementscheidung fiel, standen wir dem Planetarium als unabhängiger Berater zur Seite — nicht gebunden an einen Hersteller, sondern verpflichtet auf das bestmögliche Ergebnis für den Raum und den täglichen Betrieb.
Was das konkret hieß: Recherche zu den verfügbaren 3D-Audio-Systemen am Markt, direkte Hörvergleiche in Referenz-Installationen, Analyse der jeweiligen Format- und Workflow-Fähigkeiten. Nur so fällt eine Entscheidung, die auch in fünf Jahren noch trägt.
Ein Kriterium stand für uns dabei gleichberechtigt neben dem reinen Klang: der Workflow. Ein technisch überragendes System, das im täglichen Betrieb Reibung erzeugt, kostet das Haus jede Woche Zeit — und formt am Ende Programm, das nur so aussieht, weil das System es erzwingt. Klang und Alltagstauglichkeit mussten gleichberechtigt zusammenkommen.
3D-Audio-Integration mit SPAT Revolution
Als 3D-Audio-Renderer haben wir SPAT Revolution von FLUX:: gewählt — aus einem klaren Grund: Formatvielfalt. SPAT beherrscht Stereo, Kanal-Layouts von 5.1 bis 22.2, Ambisonics bis höhere Ordnungen, VBAP, Wellenfeldsynthese und objektbasiertes Rendering — alles in einer Engine. Damit lässt sich jedes eingehende Content-Format in kurzer Zeit auf das Zielsystem im Planetarium abbilden. Ein Atmos-Master läuft über die gleiche Kette wie eine Ambisonics-Feldaufnahme oder ein klassisches Stereo-Konzert — ohne dass man zwischen Rendern und Systemen händisch schaltet.
Das gibt dem Haus einen entscheidenden Vorteil: Es kann Programm annehmen, das anderswo nur auf einem sehr spezifischen Wiedergabesystem laufen würde — und aus dem gleichen Setup heraus auch eigene, komplett object-basierte Produktionen fahren.

Bedienung: eine maßgeschneiderte iPad-Oberfläche
Für uns ist eine nutzerfreundliche Steuerung genauso wichtig wie der Sound selbst. Ein technisch brillantes System, das im Alltag nicht bedienbar ist, verfehlt sein Ziel. Deshalb haben wir für das Planetarium Jena eine eigene iPad-Oberfläche entwickelt — genau auf das integrierte System zugeschnitten.

Ein Haus, das alles spielen kann — klassisches Konzert, Atmos-Show, Live-Set, native 3D-Produktion — aus einem System heraus.
Binaurale Show-Vorbereitung — die Arbeit vor der Kuppel
Der Zugriff auf die Kuppel ist begrenzt. Das Planetarium ist ein aktives Haus mit tagesaktuellem Programm — direkt im Raum zu iterieren kostet Stunden pro Änderung und ist im laufenden Betrieb schlicht nicht drin.
Die Lösung: binaurale Vorbereitung im Studio. In SPAT Revolution läuft parallel zum Object-Output ein binauraler Renderer mit HRTF-basierter Kopf-Simulation. Was am Ende aus der HOLOPLOT-Matrix klingt, ist über Kopfhörer schon in der Studio-Session hörbar — mit erstaunlich hoher räumlicher Präzision. Positionen, Bewegungen und Mix-Balance sitzen dadurch bereits vor dem ersten Betreten der Kuppel.
Das ändert den Workflow grundlegend: 80 % der Mix-Arbeit passiert vorbereitend. Nur die letzten Feinabstimmungen, die vom realen Raum abhängen — Raumklang, Bass-Response, Verhalten bei realer Kopfbewegung — landen in der Kuppel selbst.
Mehr als System-Design
Unsere Rolle endet nicht mit der Integration. Wir sind auch Produzenten: Wir passen bestehende Shows fürs Zielsystem an, mischen native 3D-Inhalte für die Kuppel und bauen Konzepte für neue Formate. Und wir sind Ansprechpartner für Live-Shows vor Ort — vom Soundcheck bis zur laufenden Betreuung.
Umgesetzt in enger Zusammenarbeit mit dem Nürnberger AV-Integrator PAVE und HOLOPLOT.